Erster Besuchstag in Prizren
Ein langer erster Tag mit enorm vielen neuen Eindrücken liegt hinter uns: die nächtliche Anreise nach Düsseldorf, der pünktliche zweistündige Flug nach Pristina und dann eine fast zweistündige Fahrt durch eine bergige Landschaft nach Prizren. Die ersten Bilder lassen auf ein armes Land schließen, in dem überall auf und neu gebaut wird, aber in dem in den nächsten Jahrzehnten noch sehr viel Arbeit in allen Bereichen zu leisten ist.
Das Wiedersehen mit dem Rektor der hiesigen Universität, dem Kollegen Mönch, war sehr herzlich. Wir unternahmen einen kurzen Rundgang durch die Altstadt von Prizren und liefen innerhalb von wenigen Metern am katholischen Bischofssitz, an der serbisch orthodoxen Kirche und an der größten Moschee der Stadt vorbei und der Kollege berichtete vom nicht immer friedlichen Nebeneinander der Menschen und der Weltreligionen über die Jahrhunderte. Beim Mittagessen mitten auf dem Marktplatz bei strahlendem Sonnenschein mit herrlicher Aussicht auf den Fluss und die umgebenden teilweise verschneiten Bergketten war aber von alledem nichts zu spüren. Prizren zeigte sich uns als eine lebendige aufstrebende Stadt. Wir haben ein sicheres Gefühl.

Auf der anschließenden fast zweistündigen Fahrt ins aus dem 13. Jahrhundert stammenden serbisch-orthodoxen Klosters Visoki Dečani, welches zum Weltkulturerbe gehört, zeigte sich uns eine teilweise atemberaubende Landschaft die, und das ist die unschöne Kehrseite, von den Einheimischen häufig als wilde Müllkippe benutzt wird. Im Kloster angekommen, sprachen wir mit Pater Andrej eine gute Stunde über die Lage im Kosovo und insbesondere über die Wunden, die der Krieg hinterlassen hat. Noch immer steht das mehr als siebenhundert Jahre alte Kloster unter Schutz der UN-Truppen, und er und seine serbischen Brüder können sich auch heute noch nicht frei im Kosovo bewegen. Wir kommen zu dem Schluss, dass Bildung und der europäische Gedanke mögliche Wege aus dieser Krise seien, aber auch, dass eine weitere Verständigung bzw. Befriedung im ehemaligen Vielvölkerstaat, der nun aus vielen kleinen Staaten besteht, noch Jahrzehnte dauern wird.

v.l.n.r. Türkan Hildebrand, Prof. Dr. h.c. Ronald Mönch, Prof. Dr. Klaus Zeppenfeld und Pater Andrej im Gespräch
Der anschließende Besuch in der Klosterkirche war überwältigend, insbesondere was die Vielzahl an nahezu vollständig erhaltenen Ikonen angeht. Es sind mehr als 14.000 (!) Köpfe zu bewundern.
Nach der Rückfahrt diskutierten wir die vielen Eindrücke beim Abendessen noch sehr lange und ausgiebig. Dabei wurde die Diskussion immer wieder durch Menschen unterbrochen, die mal eben so vorbeikommen und den Kollegen Mönch begrüßen und ihm viel Glück und insbesondere Geschick beim Aufbau der Universität Prizren wünschen. Eine Aufgabe, um die er nach den Eindrücken des heutigen Tages und nach den vielen Anekdoten und Begebenheiten, über die wir diskutieren, gleichermaßen zu beneiden, wie auch zu bedauern ist. Der Aufbau einer Hochschule ist halt nicht überall auf der Welt so "einfach", wie in Hamm und in Lippstadt.