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Liège

Einmal ein Zugticket nach Belgien bitte!

Ich, Maischa Weber, absolviere im Rahmen meines Studiums der "Interkulturellen Wirtschaftspsychologie" von November 2017 bis Februar 2018 ein Auslandspraktikum an der Universität de Liège in Belgien. Den Kontakt dazu bekam ich über meine Professorin an der Hochschule Hamm-Lippstadt fünf Monate zuvor.

Ich lernte in der Vorbereitungszeit schnell die Vorzüge der EU kennen, die mir davor noch nicht so bewusst waren: Ich brauchte kein Visa, kein neues Bankkonto, kein Geld wechseln und keinen neuen Handyvertrag. Ein Zugticket reichte und ich konnte in Belgien anfangen zu arbeiten. Eine enorme Erleichterung, wenn man nicht wie viele andere zu sämtlichen Behörden laufen muss, um seine Papiere zusammenzubekommen. Dafür gestaltete sich meine Wohnungssuche etwas schwieriger. Bevorzugt wurden Studierende, die für eine längere Dauer eine Bleibe suchten, damit hatte ich mit meinen vier Monaten Aufenthalt nicht so gute Karten. Die WGs hier nennen sich "Kot" und funktionieren im Wesentlichen nach dem selben Prinzip wie in Deutschland. Meine Tipps an dieser Stelle für ein Zimmer in Belgien sind: Entweder über die Homepage der Uni suchen oder auf appartager.be und kotaliege.be. Zudem ist es hilfreich neben der Lage auch die Busverbindungen anzuschauen, da diese sehr unterschiedlich frequentiert sind. Wer wie ich in Belgien mit "einheimischen" Studierenden zusammen wohnt, kann zudem die WG am Wochenende ganz für sich allein genießen, denn in Belgien fahren alle Studierenden ausnahmslos am Wochenende nach Hause zu ihren Eltern. Also wer ausschließlich andere Erasmus – Studierende kennenlernen will, geht am besten immer an Wochenenden feiern, da sind die Belgier alle zuhause. :-)

Maischas Fotoeindrücke

Universität de Liège Fakultät Psychologie

berühmte Lütticher Waffeln

Motagne de Beuren

Wenn mich jemand fragen würde, wie ich mein Semester in Belgien in drei Worten beschreiben würde, wären es: lecker, aufgeschlossen und herausfordernd.
Lecker, weil: Es ist nicht nur ein Gerücht, dass Pommes, Bier und Waffeln hier einfach fantastisch schmecken - es ist die Wahrheit. Belgien hat viele Leckereien zu bieten und es gehört hier auch kulturell einfach dazu, sämtliche Biersorten zu kennen.
Aufgeschlossen, weil: An jeder Bushaltestelle macht man Bekanntschaften. Nicht selten kommen die Busse zu spät und so ist man schnell mit sämtlichen Leuten im Gespräch. Überhaupt sind die Belgier insbesondere in Liège (Lüttich) wunderbar aufgeschlossen und reden gerne. Immer freundlich mit "bitte", "danke" und "pas de soucis" (alles gut). Türen werden immer gegenseitig aufgehalten und wer Hilfe braucht, findet immer ein offenes Ohr.
Herausfordernd, weil: Andere Länder, andere Sitten und so ist es auch in Belgien. Liège liegt im französischsprachigen Teil und so wagte ich mich an die ungewohnte Sprache heran - in meinem Fall lange gelernt und schnell vergessen aus der Schule.

Mein Praktikum absolvierte ich in der Forschungsabteilung für Bildung und Sprache und unterstützte in diesem Bereich die Erhebung, Auswertung, Analyse und die Berichterstattung der Studien. An der Universität de Liège werden viele vergleichende Studien zur Messung der Qualität der (Vor-)Schulen und Lehrqualität organisiert und durchgeführt, wie die PISA- und Thalis – Studien. Wer während seiner schulischen Laufbahn an Vergleichsarbeiten teilgenommen hat, hat ein deutsches Äquivalent bereits kennengelernt. So führte ich unter anderem Intelligenztests mit Vorschulkindern durch, wertete Daten zur Lehrqualität aus und unterstützte die Berichterstattung. Als besonders positiv möchte ich auch meine Arbeitsbedingungen hervorheben. Ich konnte mir meine Arbeitszeiten relativ flexibel einteilen und hatte ein eigenes Büro. Auch meine Kolleginnen waren bei Fragen meinerseits immer eine große Hilfe und gliederten mich mit ein. Was meine Aufgaben anging, war ich ein wenig ernüchtert, da ich eher als Feuerwehr fungierte als als feste Arbeitskraft. Wenn Not am Mann war, konnte ich Aufgaben übernehmen oder zuarbeiten, gab es aber kein Feuer zu löschen, blieb auch die Arbeit etwas aus. Daher organisierte ich auf eigene Initiative in meiner verbliebenen freien Zeit ein Auslandstreffen für Studierende in Belgien aus Deutschland, um ein eigenes kleines Projekt zu haben. Zusammen mit zwei weiteren Studentinnen plante ich ein Wochenende in Brüssel, dass Raum bot für einen Erfahrungsaustausch mit ergänzenden Vorträgen von Professoren und Professorinnen über das Land Belgien und seine Politik.

Wer wie ich gerne reist und unterwegs ist, dem kommen in Belgien die günstigen Zugtickets für unter 27-Jährige sehr entgegen. Daher und auch weil Belgien kein besonders großes Land ist, konnte ich alle großen Städte Belgiens und einige in Frankreich an den Wochenenden besuchen. Im Gegensatz dazu sind dafür die Lebenshaltungskosten, insbesondere Artikel aus der Drogerie in Belgien deutlich teurer als in Deutschland. Zudem kann es hier hin und wieder zu kompletten Busstreiks kommen. Dankenswerterweise musste ich an diesen Tagen nicht zur Arbeit kommen, denn die einzige Alternative wäre ein Taxi gewesen. Ersatzbusse gibt es hier keine.

Ein Aufenthalt im Ausland ist ein Sprung ins kalte Wasser: Neues Umfeld, andere Sprache, andere Gewohnheiten. All das ist nicht zu leugnen. Auch neue Bekanntschaften außerhalb der Arbeit zu machen, ist eine Herausforderung. Wer aber neugierig auf Unbekanntes ist und wer sich jetzt schon auf das stolze Gefühl im Rückblick am Ende freut, doch noch alles gemeistert und viele tolle Erfahrungen gemacht zu haben, der sollte nicht zögern, ein Auslandsaufenthalt zu machen. "Du lebst so lange nur, als du entdeckst." (Zitat: Christian Morgenstern) – In diesem Sinne: Bon voyage!

Ein Bericht von Maischa Weber, 5. Semester "Interkulturelle Wirtschaftspsychologie", vom 16.01.2018.

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