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Namaste. Willkommen in Indien!

Zeit ist relativ

Nach einer für mich spontanen Zusage, weniger als einen Monat vor Beginn, nach indischen Vorstellungen jedoch vollkommen im Rahmen, begann für mich Stress: Impfungen holen, Visum besorgen, einen günstigen Flug finden. Die Tage verrinnen, die indische Botschaft lässt sich Zeit. Drei Stunden vor Abflug bringt der Kurier das Visum zum Frankfurter Airport. Ohne den Sichtvermerk kommt man nicht ins Land. Der ganze Aufwand und meine Anstrengungen wären umsonst gewesen. Puuuh. Jetzt ist Zeit zum Entspannen.

Spannende neue Erfahrungen

Wo ich arbeite? Centre for Science and Environment heißt die gemeinnützige Organisation. Sie sitzt im Süden Delhis. Der größte Teil meiner Aufgabe besteht aus Recherche. Die Kantine ist eine schöne Einrichtung. Dort bekomme ich jeden Tag frisch gekochtes, typisch indisch-scharfes Essen. Am Anfang haben mir Gemüsecurry und Linsensuppe ganz schön den Mund verbrannt. Ich muss Grimassen gezogen haben. Meine Kollegen hatten immer ein Schmunzeln auf den Lippen, waren aber so lieb und haben nichts gesagt. Nach den ersten beiden Wochen haben sich meine Geschmacksnerven an die gewürzreichen Speisen gewöhnt.

Ich lebe in einer großen Wohngemeinschaft. Ungefähr zehn weitere Mitbewohner verteilen sich auf das Haus. Die meisten sind Europäer und Amerikaner. Auch sie machen ihre Studien-Praktika hier. Nur selten weiß ich genau, wer hier gerade wohnt.

 

Allwöchentliches Joggen mit ein zwei Arbeitskollegen und deren Familie,
im Hintergrund das India Gate

 Leise ist anders

Motor-Geröhre, Lautsprecher-Gekrächze, schreiende Händler, plärrende Fernseher und PCs - Delhi mit seinen 11 Millionen Einwohnern ist selten ruhig. Auf den übervölkerten Straßen findet man alles, was Beine hat: heilige Kühe, Fahrzeuge, Menschen, freche Affen, dreiste Raben und auch mal eine Ratte. Durch das hektische Verkehrsgewühl bahnen sich Tagelöhner mit Früchte-Handkarren oder mit Reissäcken beladenen Pferdewagen ihren Weg. Dazwischen anhängliche Bettler.

An viel befahrenen Kreuzungen stehen weiß oder braun gekleidete Polizisten mit Trillerpfeifen und regeln den Verkehr. Das Gewimmel kann man bestenfalls als unruhig bezeichnen. Wer in die unkomfortable Lage kommen sollte, sich bei einer Verfehlung erwischen zu lassen, löst das Problem indisch elegant. Da wechseln Gandhis Köpfe auf den Rupien-Scheinen kurzerhand den Besitzer. Das war´s. Die Sache ist erledigt.

Mit Geld und Zeit lässt sich hier fast alles regeln. Eines haben alle Inder. Zeit in Hülle und Fülle. Das sieht man im Straßenbild auch in der gemäßigten Arbeitsweise. Einer arbeitet und drei gucken zu. Das würde ich auch gerne in Deutschland einführen…

 

Freundlichkeit kommt an erster Stelle

Die Inder sind die hilfsbereitesten Menschen, die ich kennengelernt habe. Fragt man sie nach einer Schaufel, dann buddeln sie das Loch für dich. Es erstaunt mich immer wieder, wie demütig und ergeben die Armen ihr Schicksal ertragen. Sie besitzen nicht mehr als die Kleidung, die sie am Körper tragen und rackern sich Tag für Tag für eine Mahlzeit mit Reis, Gemüse und Fladenbrot ab. Nicht selten schlafen sie auf dem Gehweg unter Plastikplanen und durchgeschlissenen Decken neben einem dicken Benz. Trotzdem sind sie total offen und freundlich.

Wo sich die Deutschen über den Veggy Day aufregen, da stören sich die Inder an dem Dry Day, einem von drei Feiertagen im Jahr  (Unabhängigkeitstag, Gandhis Geburtstag und Tag der Republik), an denen es weder in Läden noch in Clubs Alkohol gibt.

 

Achim Schmitte verbrachte sein Auslandspraktikum in Indien.

privat

 

Gästebegrüßung durch Überreichen einer  Blume auf einer
muslimischen Hochzeit

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