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1.000 km Strecke und bis zu 1800 m hoch

2. "Testfahrt in die Zukunft" geht ans Limit

Auf unserer 2. "Testfahrt in die Zukunft" wird unser Stromos seine Qualitäten als "Bergziege" unter Beweis stellen müssen. Aber zuvor darf er gemütlich von Lippstadt nach Hildesheim reisen. Unterwegs in Hameln laden wir nochmals die Lithium-Ionen-Akkus auf. Dort hat das Unternehmen Mennekes bei den Stadtwerken eine neue Ladestation errichtet, die wir unentgeltlich nutzen dürfen. Darüber hinaus sponsert uns Mennekes mit einem Geldbetrag, wofür wir herzliche danken.

Von Hildesheim, über die Alpen nach Italien nutzen wir den Autozug. Nach Ankunft in Alessandria im Piemont starten wir in Richtung Westen. Dabei ist die Fahrt durch die Ausläufer der Ligurischen Alpen über Asti und Alba nach Cuneo sicherlich genau die richtige Strecke zum Einfahren. Die Fahrt wird eine echte Herausforderung: Hohe Außentemperaturen und steile Anstiege sind die Bewährungsprobe für unsere Traktionsbatterie. Mal sehen, ob wir unterwegs nicht nur dem Stromos immer mal eine Pause gönnen können. Insgesamt werden wir auf dieser Etappe durch das Piemont rund 125 Kilometer zurücklegen und damit schon ans Limit unserer Reichweite gelangen.

Drei Länder, Höhenmeter und fürstlicher Glanz

Das gilt für Tag 2 unserer Reise umso mehr, denn dann geht es richtig in die Seealpen. Cuneo verlassen wir mit Ziel auf das 100 Kilometer entfernte Monaco. Hört sich nicht so viel an, aber die Strecke hat es in sich. Als erstes werden wir Limone Piemonte passieren. Der Ort hat nicht nur im Sommer seine Reize. Auch im Winter lockt er mit über 100 km Skipiste; Loipen und Wanderwegen. Kein Wunder, denn er liegt auf über 1000 m Höhe über dem Meer, zu dem wir am Ende des Tages noch wollen. Aber vorher gilt es die Serpentinen zwischen Tetti Mecci, auf 1119 m, und Panice Sottana, auf 1207 m über Meereshöhe, zu meistern.

Passhöhe Colle di Tenda - Grenzübergang Italien/Frankreich

Passhöhe Colle di Tenda - Grenzübergang Italien/Frankreich. Bild: Lohe

Die Route führt durch den Parc Nationale du Mercantour mit insgesamt sieben 3000er-Gipfeln. Auf dem Weg nach La Brigue passieren wir auf dem Colle di Tenda auf 1871 m die italienisch-französische Grenze. Durch das Vallée de Roya geht es langsam wieder bergab. Über Sostel erreichen wir die Küstenregion und plötzlich liegt Monaco vor uns, dieser Stadtstaat mit gerade einmal 2 Quadratkilometer Fläche.

Klein aber oho, könnte man sagen, denn Monaco  ist mit Blick auf Elektromobilität in Europa ziemlich weit vorne. Fast überall in der Stadt, auf öffentlichen Plätzen oder auch in den Tiefgaragen in den Stadtteilen Monte Carlo, Monaco-Ville und dem Hafengebiet La Condamine gibt es rund 400 Ladestationen für Elektromobile. Eine ungeheure Dichte verglichen mit anderen Ländern. Hier können wir auf Einladung der Fondation Prince Albert II de Monaco unser Auto aufzuladen. Mitten im touristischen Trubel in der Altstadt vor dem Palast der Familie Grimaldi werden wir also unseren Stromos mit monegassischem Strom wieder fit machen für die nächste Etappe!

Fürstenpalast Monaco

Fürstenpalast und Palastplatz Monaco. Foto: Berthold Werner

Lavendel liegt in der Luft

Frisch gestärkt geht es am nächsten, dem dritten Tag weiter auf unsere längste Etappe nach Aix-en-Provence. Auf der Corniche, entlang der Cote d´Azur, bis Nizza schnuppern wir unterwegs noch salzige Meeresluft und erhaschen zwischen all unseren Messgeräten und Anzeigen hoffentlich einen Blick aufs azurblau schimmernde Meer, bis es dann hinter Cannes zunächst durch das Esterel-Gebirge in die Hügelketten der Provence geht. Über Le Muy und Brignoles führt die anspruchsvolle Strecke mit einigen Steigungen. Leider ist um diese Zeit die Lavendelblüte schon vorbei und die violett-blühenden Felder sind bereits abgeerntet, aber die Provence hat natürlich noch viele andere Reize. Sei es der Wein, der Honig oder auch Wurst- und Käsespezialitäten und fruchtiges Olivenöl. Wir hoffen, dass wir zumindest abends nach getaner Arbeit, in den Genuss der einen oder anderen lokalen Spezialität kommen. Allein Aix-en-Provence, die historische Hauptstadt der Provence, ist ja eine Reise wert, ebenso wie Salon-de-Provence, Nimes und Montpellier, unsere Stationen am nächsten Tag.

Mal sehen, ob wir auf dem letzten Stück dieser 160 km langen Etappe Rückenwind haben werden. Denn, wenn der Mistral im Rhone-Tal bläst, wird sich das sicherlich positiv auf unsere Energiebilanz auswirken. Dies können wir ja auch live im CAN-Bus nachvollziehen. Dort wird nämlich der Ladestand jeder einzelnen unserer 98 Batteriezellen angezeigt. Üblicherweise fegt dieser Nord-Süd-Wind mit hohen Geschwindigkeiten durch das Tal bis ins Rhone-Delta und den Golfe du Lion, wo er von Seglern wegen seiner heftigen Böen gefürchtet ist. In Montpellier werden wir den Abend, nachdem wir den Stromos, wie jeden Abend, komplett druchgecheckt haben, vielleicht in einem der vielen kleinen Restaurants in der Altstadt verbringen und uns das lebhafte Treiben auf den Straßen dieser Studentenstadt ansehen.

Abenteuerfahrt endet kurz vor Spanien

Tag 5 ist unser letzter auf französischen Straßen. Gen Süden fahren wir durch das hügelige Hinterland des Languedoc-Roussillon. Vorbei an Weinfeldern geht es über Poussan und Beziers nach Narbonne. Unterwegs kreuzen wir das Weltkulturerbe "Canal du Midi". Er verbindet den Atlantik und das Mittelmeer. Narbonne ist die vorläufige Endstation unserer 2. "Testfahrt in die Zukunft". Hier, in Sichtweite der Pyrenäen, verladen wir am 1.9.2011 unseren Stromos wieder auf den Autozug und ab geht es Richtung Heimat. Am nächsten Tag erreichen wir Hildesheim. Von dort fahren wir dann die letzten 150 km zurück nach Lippstadt und sind 1000 Kilometer "älter" - oder besser erfahrener - wenn es um die Praxistauglichkeit von Elektroautos auf bergigen Strecken und bei heißen Außentemperaturen geht. Viel Platz für Mitbringsel haben wir leider nicht, denn unser Auto ist mit allerlei Messtechnik vollgepackt. Aber eine gute Flasche Wein geht sicher mit, um am Abend auf eine hoffentlich gelungene Testfahrt im Kreise unserer Familien anzustoßen. Und wer weiß, vielleicht führt uns die nächste ja nach Spanien. Angeklopft hatten wir ja schon fast an der Grenze…

 

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