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Energie für Milliarden

Land des Lächelns oder Land des Smogs - Erwartungen an China

Warum eigentlich ausgerechnet China? Diese Frage wurde mir oft gestellt, als ich mich für ein Auslandssemester in Chongqing entschieden hatte. Für mich gibt es da verschiedene Gründe: Unser westliches Bild von China ist durchwoben von Vorurteilen und einseitiger Berichterstattung. Die großen Zeitschriften und Magazine befassen sich in Bezug auf China meistens mit Berichten über das unerbittliche kommunistische Regime, den rasanten wirtschaftlichen Aufschwung oder drucken Bilder von riesigen Städten ab, die in Smog zu versinken scheinen. Über das alltägliche Leben, Umgangsformen und Kultur wird eher selten berichtet. Mein Hauptziel für das Auslandssemester ist es daher, mir ein eigenes Bild vom chinesischen Alltag zu verschaffen.

Immer das Gesicht wahren

Besonders gespannt bin ich auf die chinesische Kultur, die zu den ältesten der Welt zählt. Ein Hauptaspekt des chinesischen Zusammenlebens ist das Konzept des Gesichts (chin.: miànzi). Grob erklärt besagt es, dass jeder über ein Gesicht verfügt (vielleicht übersetzbar mit Ehre oder sozialem Ruf) und dieses zu wahren ist. Die Gefahr, das Gesicht zu verlieren besteht dann, wenn ein Fehler gemacht wird (z.B. eine falsche Entscheidung im Berufsalltag oder unfreundliches Verhalten gegenüber anderen) und eine andere Person diesen Fehler aufdeckt. Sein Gesicht zu wahren ist ungemein wichtig, da bei Verlust auch der Verlust der sozialen Zugehörigkeit droht.

Immer das Gesicht wahren: Michael Martin ist gespannt auf die Erfahrungen in China.

Ausgehend von diesem Konzept nehme ich an, dass die Chinesen sehr höflich und zuvorkommend sind, jedoch gleichzeitig auch sehr vorsichtig und indirekt handeln. Ich bin gespannt, ob ich mich schnell von der westlichen Form des direkten Ansprechens von Fehlern und Problemen lösen kann und es schaffe, mich auf die chinesische (eher behutsame) Herangehensweise einzustellen.

Energie für 1,3 Milliarden Chinesen

Natürlich versuche ich das Auslandssemester in erster Linie mit meinem Studiengang Energietechnik und Ressourcenoptimierung zu verknüpfen. Erstens werde ich wohl vor Ort beurteilen können, ob die großen chinesischen Städte wirklich so versmogt sind wie man hier berichtet. Zweitens sind Besichtigungen von Kohlekraftwerken und Stauseen geplant. Mich interessiert es besonders, wie die Chinesen es schaffen, unglaubliche 1,3 Milliarden Menschen mit Energie zu versorgen. Die gewonnenen Erfahrungen möchte ich für mein Studium in Deutschland nutzen.

Zappenstreich im Studentenwohnheim?

Unterschiede erwarte ich auch im Campusleben sowie bei den allgemeinen Lehrmethoden. In China leben alle Studierenden in Studentenwohnheimen, auch wenn die Eltern ganz in der Nähe wohnen. Das liegt daran, dass auch zu später Stunde noch unterrichtet wird (von 8:00 Uhr - 19:00 Uhr). Ob aber das Licht wirklich flächendeckend um 21:00 Uhr ausgemacht wird (man munkelt es), bleibt abzuwarten. Die Unterrichtsgestaltung soll, so wurde uns gesagt, auf Frontalunterricht basieren. Interaktives Arbeiten, z.B. selber Versuche durchzuführen, kommt nur selten vor. Da wir auch als Lehrer für die deutsche Sprache tätig sein werden, bin ich gespannt, wie unsere andere Art des Unterrichtens, sprich etwas lockerer, angenommen wird.

Letztendlich kann ich sagen, dass ich sehr auf den Chinaaufenthalt gespannt bin. Ich bin sicher, hier noch vor einige schwierige Situationen und Aufgaben gestellt zu werden. Allerdings freue ich mich darauf, sie zu bewältigen und an ihnen zu wachsen. Nach diesem Abenteuer werde ich bestimmt eine Menge zu erzählen haben.

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