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Fachkräftemangel ist Thema an der HSHL: Bürgeruni-Vortrag am 27.10.2022 und Experteninterview

Der Begriff "Fachkräftemangel" ist in aller Munde und Inhalt eines Bürgeruni-Vortrags von HSHL-Professor Dr.-Ing. Olaf Goebel, Lehrgebiet "Energietechnik" am 27. Oktober 2022 um 19:00 Uhr.

Autobahnsperrungen wegen maroder Brücken und lange Wartezeiten für Handwerkertermine. In Deutschland fehlen Leute, die anpacken können. Ist unser Land noch zu retten? Der Begriff "Fachkräftemangel" ist in aller Munde und Inhalt eines Bürgeruni-Vortrags an der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) von HSHL-Professor Dr.-Ing. Olaf Goebel, Lehrgebiet "Energietechnik" am 27. Oktober 2022 um 19:00 Uhr.

Unter dem Titel "Fachkräftemangel in Deutschland – Ursachen und Gegenmaßnahmen" beleuchtet er die Situation im Handwerk ebenso, wie in akademischen Berufen. Ursachen für das Problem werden diskutiert, aber auch Wege aus der Krise aufgezeigt. Der Vortrag ist für alle Interessierten, Bürgerinnen und Bürger ebenso wie HSHL-Angehörige, geöffnet und der Eintritt kostenfrei. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Veranstaltungsort ist der Campus Hamm der Hochschule Hamm-Lippstadt an der Marker Allee, Hörsaal WESTPRESS im Gebäude H1.1.

Experteninterview zum Fachkräftemangel in der Energiebranche

Wie wichtig schnelles Vorankommen bei der Energiewende in Deutschland ist, wird in diesen Tagen deutlicher als je zuvor. Die Folgen des Kriegs in der Ukraine führen vielen Menschen spätestens beim bangen Blick auf die Nebenkostenabrechnung vor Augen, welche wirtschaftlichen Folgen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern mit sich bringt. Hinzu kommen die bekannten ökologischen Aspekte, für die seit langer Zeit insbesondere Jugendliche in den Fridays-for-Future Bewegungen auf die Straße gehen.

Doch es gibt ein Problem: Wer soll die Energiewende eigentlich umsetzen? Die Botschaft von Seiten der Politik derzeit ist klar: Alle können etwas tun. Doch einzelne können aktuell höchstens ihren Verbrauch drosseln. Um auf erneuerbare Energien umzusteigen, braucht es Fachkräfte. Und die sind rar. Ende Mai verkündete der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), dass es über 151.000 offene Stellen für Ingenieurinnen und Ingenieure gebe. Und das Problem werde voraussichtlich in den nächsten Jahren sogar noch schlimmer: Es werden mehr Fachkräfte in Rente gehen, als gleichzeitig Personen durch den Abschluss von Berufsausbildung oder Studium fit für den Arbeitsmarkt werden.

Ein Thema, das die Hochschule Hamm-Lippstadt auch jenseits des Bürgeruni-Vortrags von Prof. Goebel umtreibt. Mit dem Bachelorstudiengang "Energietechnik und Ressourcenoptimierung" gibt es bereits seit 2009 ein Angebot, das die dringend benötigten Expertinnen und Experten für die Energiewende ausbildet. Doch die Erstsemesterzahlen stagnieren, die Hochschule könnte mehr Interessierte aufnehmen, als sich in den letzten Jahren beworben haben und wenn man sich im Land umhört, geht es anderen Hochschulen ähnlich.

Ein Interview mit Prof. Dr. Torsten Cziesla, Studiengangsleiter "Energietechnik und Ressourcenoptimierung"

Lieber Herr Prof. Cziesla, wie erklären Sie es sich, dass trotz offensichtlich bester Berufsaussichten und viel Aufmerksamkeit für das Thema Energiewende zu wenige Interessierte die Entscheidung für ein Energietechnik-Studium treffen?

"Das ist eine Frage, die derzeit viele, wenn nicht sogar alle Wissenschaftsinstitutionen umtreibt. Gründe hierfür können nur vermutet werden. So ist der Fachkräftemangel in den MINT-Berufsbereichen seit Jahren in aller Munde, der sich bekanntlich nicht nur auf akademische Bereiche wie Ingenieur- und Informatik-Berufe, sondern auch auf den Arbeitsmarkt handwerklicher Berufsgruppen erstreckt.

Es scheint in unserer Industriegesellschaft offenbar nicht 'hipp' genug zu sein, ein technisches Studium zu belegen. Sicherlich hängt das auch mit den Erwartungshaltungen an MINT-Studienfächer – also Disziplinen der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – zusammen, die gemeinhin als mathematiklastig und herausfordernd gelten.

Außerdem drängt sich aber auch der Eindruck auf, dass irgendwann in der Schullaufbahn bei – zu vielen – Schülerinnen und Schülern die Neugier und Faszination für technische Vorgänge, wie wir sie oftmals in den unteren Schulklassen in der Breite noch antreffen, abhandenkommen.

Vielleicht wird in unserer Gesellschaft das Rollenbild von Ingenieurinnen und Ingenieuren auch mit zu einseitigen und negativ besetzten Klischees assoziiert Andere akademische Berufsgruppen wie die der medizinischen oder juristischen Fakultäten jedenfalls scheinen in der breiten medialen Unterhaltung zumindest besser wegzukommen – oder hat jemand schon einmal eine Serie gesehen, in der z. B. eine Ingenieurin die Rolle der Heldin verkörpert?

Jedenfalls erscheint der angesprochene Fachkräftemangel gerade im Energiebereich vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Entwicklungen wie Klimawandel und Energiekrise umso eklatanter. Ein wahrlich ambivalentes Phänomen, wie ich finde. Möglichweise erscheint die gesamte Energieversorgungsthematik den jungen Menschen schlichtweg zu negativ belastet, um ein zur Lösung besagter Probleme beitragendes Studium aufzunehmen. Für die weitere Nachhaltigkeitsentwicklung dürfte indes problemverstärkend sein, dass ein heute aufgenommenes Studium erst ein paar Jahre später die gewünschten Fachkräfte liefert, die dann in erst entsprechend ferner Zukunft die Energieprobleme des Landes lösen können."

Was berichten Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs von ihrem Start ins Arbeitsleben und ihren Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt?

"Wir erfahren flächendeckenden Zuspruch und von allen Seiten positive Resonanz. Unsere Alumni berichten allesamt von tollen Jobs mit spannenden Aufgabenstellungen. Zugleich verlaufen ihre Karriereentwicklungen sehr erfolgreich, wie wir sehr zu unserer Freude beobachten können. Dabei wird auch die Vielseitigkeit der Betätigungsfelder deutlich, die den Bachelors of Engineering unseres Energietechnikstudiengangs offenstehen.

Über dies ist auch bemerkenswert, dass mittlerweile etliche Ehemalige ihrerseits bei uns nach neuen Nachwuchskräften anfragen. Insofern schließt sich hier ein Kreis: Studierende, die wir in der Vergangenheit an unserem Campus einmal ausgebildet haben, eröffnen den nachfolgenden Generationen Chancen zur eigenen Weiterentwicklung, sei es durch Praktika, Abschlussarbeiten oder gar Jobofferten."

Schafft Deutschland aus Ihrer Sicht die Energiewende, wenn sich an dieser Situation nicht bald etwas ändert?

"Das ist unter diesen Bedingungen für mich nicht vorstellbar, leider nein!"

Sie und Ihre Kollegen haben ja vor der Tätigkeit an der HSHL selbst in der Industrie gearbeitet? Was macht diese Arbeit für Sie aus, was ist das Faszinierende daran?

"Als Ingenieurin bzw. Ingenieur für Energietechnik arbeitet man stets an der Bewältigung der Klimakrise, als dem sicherlich drängendsten globalen gesellschaftspolitischen Problem unserer Zeit. Die Vielseitigkeit der Jobprofile, die sich einem hier eröffnen, ist nicht nur überaus spannend und zukunftsorientiert, sondern erfüllend zugleich. Hinzu kommt, dass man damit einen überaus auskömmlichen Berufsweg vor sich hat, der alle möglichen Formen der individuellen Karriereentwicklung zulässt. So finden sich Arbeitsfelder in der Forschung und Entwicklung, beim Bau und Betrieb von Anlagen, in der Optimierung der Versorgungssysteme, im Energiehandel und -vertrieb, bei der Gestaltung energienaher Produkte und innovativer Dienstleistungen sowie in der Konzeption smarter Versorgungslösungen an der Nahtstelle zur Digitalisierung u. v. m. Ebenso bunt und vielfältig sind die Arbeitsumgebungen, in denen man beruflich damit unterwegs sein kann: In kleineren Unternehmen wie z. B. Planungsbüros, bei mittelständischen Geräte- bzw. Komponentenherstellern, in Anlagenbaufirmen, bei lokalen oder auch internationalen Energieversorgungsunternehmen, in energieintensiven Zweigen von Gewerbe und Industrie, in Wissenschaftseinrichtungen oder auch im Management großer Konzerne. Für jede und jeden ist in der Energiebranche etwas dabei, was passt und Spaß macht."

Was sind Inhalte des Energietechnik-Studiums an der HSHL?

"Alles, was wir an Knowhow und Befähigungen für den Umbau der Energieversorgung, und damit für nicht weniger als die Sicherstellung einer lebenswerten Zukunft, benötigen, ist Gegenstand unseres Studiengangs 'Energietechnik und Ressourcenoptimierung'. Das fängt an bei den naturwissenschaftlichen Fächern und erstreckt sich über einschlägige ingenieurtechnische Disziplinen wie z. B. Elektrotechnik, Wärmelehre oder Strömungsmechanik bis hin zu den praktischen Applikationen, in denen Fragestellungen adressiert werden, wie Energie klimagerecht bereitzustellen, zu transportieren, zu speichern und effizient anzuwenden ist. Am Ende sind unsere Studierenden dann befähigt, unsere Energieversorgung nachhaltig zu gestalten, genkennzeichnet durch die Erfüllung der Kriterien Klimaneutralität, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit. Dabei wird unser Lehrplan optimal abgerundet durch die Vermittlung auch außerfachlicher Befähigungen, wie z. B. Managementfertigkeiten, soziale und interkulturelle Kompetenzen."

Können die Absolventinnen und Absolventen des Energietechnik-Studiums sich auch weiterqualifizieren durch z. B. Masterprogramme?

"Selbstverständlich! So bieten wir an der HSHL etliche Master-Studiengänge an, die auch von den Energietechnik-Absolventinnen und -absolventen belegt werden können. Allen voran sicherlich unser Master-Programm namens 'Product und Asset Management', das bereits etliche Studierende der Energietechnik erfolgreich absolviert haben. Genauso stehen den Absolventinnen und Absolventen unseres Energietechnik-Studiengangs aber auch Master-Programme ganz anderer Hochschulen und Universitäten offen, in denen sie ihr Studium auf Grundlage ihrer bei uns in der Energietechnik erworbenen Bachelorqualifikation erfolgreich fortführen können."

Die Botschaft wird klar: Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich für ein technisches Studium entscheiden. Bleibt die oben erwähnte Angst vor der Mathematik. Gibt es dazu noch etwas, was Sie sagen können, um vielleicht dem einen oder der anderen die Angst zu nehmen?

"Wir wissen um die Bedeutung dieses Themas. Entsprechend umfangreich sind unsere Betreuungsangebote diesbezüglich. So bieten wir bereits vor dem eigentlichen Studienbeginn so genannte Vorkurse an, um alle Erstsemesterstudierenden abzuholen, auf einen Stand zu bringen und dabei Vorkenntnisse aufzufrischen bzw. zu ergänzen. So erreichen wir nicht nur die, denen die Mathematik in der Schule eher leicht fiel, sondern vor allem gerade diejenigen, die vielleicht Respekt vor diesem Fach haben oder aber schon etwas länger aus der Schule raus sind und erst nach einigen Jahren beruflicher Tätigkeit das Studium aufnehmen. Außerdem verstehen wir es, durch den ausgeprägten Praxisbezug in unserer Lehre mathematische Zusammenhänge auch anwendungsnah zu vermitteln. Dies hilft ungemein, dieses Fach anzunehmen und zu verstehen. Und wir versuchen unseren Studierenden eine bestmögliche förderliche Arbeitsatmosphäre zu eröffnen, indem wir uns stets zeitnah erreichbar zeigen und für Rückfragen ausführlich Zeit nehmen. Auch das trägt enorm zur Lernmotivation und positiven Auseinandersetzung mit Mathe und Co. bei. Wir achten sehr auf die Signale und Rückkopplungen unserer Studierenden."

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