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Mit Starthilfe Richtung Monaco

Wissenschaftliche Erkenntnisse und Tücken des Alltags bei der Testfahrt

Die berühmten "Verzögerungen im Betriebsablauf" hat es in Hamburg nicht gegeben – wir sind pünktlich abgefahren. Die ganze Fahrt über wussten wir jedoch nicht, ob mit dem Laden auf dem Zug alles problemlos klappt, und so waren wir gespannt auf die Ankunft in Italien. Am Samstagmorgen in Alessandria dann die große Überraschung: Nicht nur das Laden während der Fahrt war fehlgeschlagen, der Wagen sprang gleich gar nicht mehr an. Da der Stromos auf dem Autozug in der Pole Position stand, mussten wir ihn vor den Augen aller Fahrgäste runter schieben.

Auf dem Parkplatz dann der kritische Blick unter die Haube, aber auch wir waren zunächst ratlos. Da fiel uns der Diagnosetester von unserem Sponsor Hella-Gutmann ein: Die Diagnose ergab Fehlermeldungen im ABS und dem Bodycontroller, die Details zeigten eine zu niedrige Bordspannung. Beim Bremslichttest brach dann die Bordspannung total zusammen, so dass sogar unser LED-Tagfahrlicht die Funktion verweigerte.

Akku leer?

Der Grund dafür war schnell gefunden: Obwohl der Antrieb des Stromos über die Traktionsbatterie erfolgt, benötigt die Bordelektronik die 12 Volt-Versorgung einer normalen Autobatterie. Während der Fahrt von über 20 Stunden war das Auto aufgrund der installierten Ladetechnik die ganze Zeit in Bereitschaft, d.h. die Steuergeräte sind eingeschaltet und eine Kühlmittelpumpe läuft. Und da die Ladung der Akkus nicht funktionierte, haben diese Verbraucher die 12 Volt Batterie komplett leer gezogen, so dass der Wagen nicht mehr ansprang. Erstes Ergebnis unseres Praxistests: für die Zukunft muss eine Lösung gefunden werden, damit das nicht mehr passiert!

Wir mussten den Stromos also wie ein herkömmliches Auto überbrücken, um die Bordelektronik wiederzubeleben. Unser freundlicher Techniker der Deutschen Bahn, Andy, organisierte sofort eine Starthilfeeinrichtung und der Stromos meldete sich wieder mit "Willkommen an Bord. Bitte die Bremse betätigen und starten." Da die 12 Volt Batterie nun wieder aus der Traktionsbatterie gespeist wurde, die noch ca. 70% hatte, brauchte es nur eine Schlüsselumdrehung, und schon hieß es: "Stromos fahrbereit".

Dass der Ladevorgang auf dem Zug nicht geklappt hat, kann vielfältige Ursachen haben. Vielleicht war die elektrische Spannung im Zug nicht ausreichend oder das Abschalten der Spannung in den Bahnhöfen hat die Software des Fahrzeugs gestört. Die Ursachenanalyse werden wir mit dem Hersteller machen. Schade, dass diese Premiere nicht gelungen ist, aber gerade diese Tücken im Detail gilt es ja zu erforschen, damit die Elektromobilität zur echten Alternative für den Alltag wird.

Rekuperation auf der Bergetappe

Nach ca. 30 km Fahrt ab Alessandria haben wir dann bei einem Reifenhändler in der Nähe von Asti geladen. Und das sogar mit Schnellladung am Kraftstrom. Leider mussten wir trotzdem bis 14:30 Uhr warten, weil man einen Italiener niemals bei seiner Mittagspause stört. Mit wieder montierter Tankklappe und vollen Akkus ging es dann endlich auf nach Cuneo. Dank unseres Reiseadapters für Italien konnten wir in der Hinterhofgarage unseres Hotels über Nacht laden.

Hotelgarage in Cuneo

Klein aber fein: Stromos übernachtet in Cuneo in der Hotelgarage

Am Sonntag sind wir dann zu unseren alpinen Messungen aufgebrochen - die Strecke haben wir per GPS-Tracking aufgenommen. Mit 82% SOC (State of Charge = Ladezustand) haben wir uns an den Colle di Tenda gewagt – der Grenzübergang zwischen Italien und Frankreich liegt 1.871 m hoch. Da wir vor nichts zurück schrecken, sind wir vor dem Tunnel abgebogen, um den alten Pass zu nehmen. Auf 1400 m angekommen, warnte uns ein freundlicher Tourist: "Man kann zwar über den Pass nach Frankreich fahren, aber auf der Kuppe ist das die reinste Schotterpiste.“ Das Risiko für unser Batteriepack am Unterboden war uns dann doch zu hoch, so dass wir uns schließlich für den Tunnel entschieden haben: 8 km lang geht es durch den Gipfel hindurch, und mittendrin ist die Grenze nach Frankreich.

Grenzübergang Colle die Tenda

Alpine Herausforderung: der Grenzübergang Colle di Tenda

Auf der französischen Seite stand dann die Messung der Rekuperation an – mechanisches Bremsen war ab sofort für uns verboten. Durch geeignete Gangwahl und zweistufige Rekuperation des Antriebsmotors musste die Geschwindigkeit dosiert werden. Wir haben damit einmalige Messwerte von über einer halben Stunde Rückspeisung der Energie aufgenommen. Unten angekommen, war der Ladezustand der Akkus um mehr als 10% gestiegen, das sollte reichen bis Monaco, obwohl noch ein Pass vor uns lag.

Tanken auf Kosten von Prince Albert II

Zu unserem Termin auf dem Platz vor dem Grimaldi-Palast wollten wir nicht zu spät kommen – Einchecken im Hotel und Frischmachen (bei 35 Grad im Schatten und ohne Klimaanlage) mussten daher ausfallen.  Und dann das: Die Zufahrt war gesperrt und mit zwei Wachleuten gesichert. Als die freundlichen Herren den Stromos erblickten, wurden wir aber zum Glück direkt durchgewunken – just in time schlug die Uhr des Palastes mit unserer Einfahrt 4 mal! Die Carabinieri du Prince räumten mit Trillerpfeifen die Fahrbahn und wiesen uns direkt an die Ladesäule, wo wir von den fürstlichen Hofberichterstattern mit laufender Kamera empfangen wurden. Für uns aber noch wichtiger: die Ladesäule war von unserem Sponsor Mennekes, die Stecker passten, und kostenlos war es obendrein: Recharge Gratuite!

Stromos vor dem Fürstenpalast in Monaco

Kostenlos auftanken vor dem Fürstenpalast

Abseits der Schönen und Reichen haben wir die Nacht in einem Hotel nach Menton in Frankreich verbracht. Zwischen den Tischen und Stühlen auf der Terrasse haben wir dort unseren Stromos platziert, um mit unserem Verlängerungskabel den Stromanschluss im Keller nutzen zu können. Bereit für die nächste Etappe!

Fotos und GPS-Track der Strecke zum Download

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