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Stromos auf Herz und Nieren geprüft

Langstreckentest liefert viele Daten

Vor ein paar Tagen haben wir unseren Stromos, nach einer ausführlichen Inspektion durch den Autobauer German E-Cars, in Grebenstein bei Kassel wieder abgeholt. Sämtliche Kabel und die Karosserie sowie der Unterboden wurden einem Intensivcheck unterzogen, damit wir gut gerüstet zur zweiten "Testfahrt in die Zukunft" gen Alessandria starten können. Zudem wurde weitere Messtechnik eingebaut. So sind wir jetzt in der Lage, viele Dinge auch unterwegs während der Fahrt zu checken, um frühzeitig reagieren zu können, sollten sich Abweichungen von der Norm abzeichnen. German E-Cars hat für uns einen speziellen Lade-Adapter für die Reise auf dem Autozug gebaut. Damit wird nun der Ladestrom des Fahrzeugs an die verfügbare Leistung auf dem Autozug angepasst. Wir können jetzt die Huckepack-Fahrt von Hildesheim, über die Alpen ins Piemont von knapp 16 Stunden perfekt nutzen, um die Akkus, hochleistungsfähige Lithium-Ionen-Batterien, wieder voll zu laden - das A & O bei einem Elektroauto.

Hirn und Herz des Elektroautos

Außerdem haben wir jetzt komplette Transparenz bei der Datenanzeige auf dem CAN-Bus im Stromos. CAN steht für "Controller Area Network" und "Bus" für Hauptleitung. Dort laufen alle Informationen der einzelnen Fahrzeugkomponenten zusammen. Zum Beispiel können wir jetzt genau erkennen, wie sich der Ladezustand jeder einzelnen der insgesamt 98 Batteriezellen während der Fahrt verändert. Alle zusammen bilden die Traktionsbatterie. Oder, wie sich die 20 Temperatursensoren an den Batterien verhalten. Das Fahrzeug ist mit drei "Onboard-Chargern" ausgerüstet, damit werden die Batterien, ähnlich dem Ladegerät eines Handys, wieder geladen. Über den CAN-Bus können wir nun auch den Ladevorgang jedes einzelnen Chargers aufzeichnen und später für weitere Untersuchungen auswerten. Interessant ist auch, wann und in welcher Höhe es gelingt, Energie, etwa die, die beim Bergabfahren oder Bremsen entsteht, während der Fahrt zurückzugewinnen, um damit die Reichweite zu erhöhen. Durch den Zugriff auf den CAN schauen wir quasi gleichzeitig "ins Herz und Gehirn" des Stromos hinein. Dies können wir nur, weil der Hersteller uns die Übersetzung der sonst verschlüsselten Daten des CAN-Bus offen gelegt hat. Ein ansonsten unüblicher Schritt, denn der Code ist ein wirtschaftlich sehr wertvolles Gut. Wir danken German E-Cars an dieser Stelle sehr für diesen Vertrauensbeweis.

Pioniere unterwegs

Ebenso wertvoll und wichtig für die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir im Feldversuch auf der Langstrecke gewinnen können, ist der mobile Diagnosetester, der von Hella-Gutmann Solutions eigens für diesen Anlass erweitert wurde. Eine spezielle Software wurde programmiert und auf dem Gerät installiert. Somit ist es in der Lage neben den beiden herkömmlichen Antriebsarten Benzin und Diesel ab sofort auch die Antriebsart Elektro zu analysieren. Wir werden also mit einem der ersten dieser Geräte überhaupt unterwegs sein. Sollten auf der Fahrt Fehlermeldungen angezeigt werden, beispielsweise wenn die Warnleuchte für das Antiblockiersystem (ABS) blinken sollte, können wir, fern jeder Werkstatt, selbst diagnostizieren, ob dies durch einen Spannungseinbruch hervorgerufen wurde, also nur eine temporäre Erscheinung ist, oder ob es sich um ein größeres Problem handelt.

Übergabe des mobilen Diagnosetesters

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Krome, Hochschule Hamm-Lippstadt, mit Kurt Gutmann und Sven Krüger, Geschäftsführer Hella-Gutmann Solutions, bei der Übergabe des mobilen Diagnosetesters. Zudem wurde ein Scheck über 2.000 Euro als Sponsoring für die 2. "Testfahrt in die Zukunft" überreicht. Herzlichen Dank für die Unterstützung!

Service per Laptop

Dies gibt uns viel Sicherheit, denn eine Fahrt ins europäische Ausland mit einem Elektroauto ist ein ungleich größeres Abenteuer als mit einem Benziner oder einem Dieselfahrzeug. Aufladen ist das eine. Wenn es keine Ladestation geben sollte, finden wir aber sicher immer irgendwo nette Menschen, die uns ihre Steckdose zur Verfügung stellen. Die Aufgeschlossenheit in der Bevölkerung für die neue CO2-freundliche Antriebsart ist groß. Eine Werkstatt ist allerdings eine größere Herausforderung, denn das Servicenetz kompetenter Mechaniker bzw. Mechatroniker ist bisher recht dünn. Außerdem ist eine spezielle Schulung nötig, um an den Hochvolt-Komponenten eines Elektrofahrzeugs zu arbeiten. Am Rande erwähnt: wir fragen uns schon, wie die Werkstatt der Zukunft für Elektroautos eigentlich aussieht? Den ersten Erfahrungen nach sind es nämlich nur sehr bedingt mechanische Probleme, die es zu lösen gilt. Viel mehr sind es elektronische und Softwareprobleme, die auftreten und hierfür sind oftmals keine Hebebühnen etc. notwendig. Sind es also künftig Fachleute mit Laptops, die mobil sind und zum Kunden kommen? Hier werden sich in den nächsten Jahren sicherlich neue Service-Modelle entwickeln.

Aber so ganz allein sind wir unterwegs dank moderner Technik sowieso nicht. Wir können unseren Rechner mit dem CAN-Bus des Fahrzeugs verbinden. Mit Hilfe eines Internetzugangs kann sich German E-Cars dann auf unseren Laptop und somit auf das Fahrzeug aufschalten. Damit ist es möglich ähnlich wie bei einem PC eine Ferndiagnose und evtl. auch Wartung vorzunehmen.

Andere Länder andere Regeln

Tagfahrlicht ist in vielen Ländern in der Diskussion oder auch die Regel. So auch bei uns in Deutschland. Neuwagen müssen damit ausgerüstet sein. In Italien ist es Pflicht und in Frankreich empfohlen. Damit wir also mit den Stromos, ohne größere Reichweitenverluste, im Ausland reisen können, haben wir uns entschlossen, unser Fahrzeug mit energiesparendem Tagfahrlicht auszurüsten. Hier erhalten wir Unterstützung von der HELLA KGaA in Lippstadt. Sie haben den Stromos mit zusätzlichen LEDs im Frontbereich ausgerüstet, sodass wir tagsüber nicht mit den stromfressenden Hauptscheinwerfern fahren müssen. Das wird unsere Gesamtenergiebilanz positiv beeinflussen. Durch das Aufzeichnen der Verbrauchsdaten können wir nun Vergleiche zwischen dem Fahren mit Tagfahrlicht oder den herkömmlichen Scheinwerfern anstellen.

So können wir die Industrie in der Weiterentwicklung von Elektroautos zur Serienreife fachlich begleiten und unseren wissenschaftlichen Beitrag zum Umbau der Antriebsarten im Kraftfahrzeugbereich leisten. Der Countdown für unsere nächste "Testfahrt in die Zukunft" läuft und wir freuen uns, wenn es am 26. August losgeht. Bis dahin melden wir uns aber nochmals mit weiteren Details der Vorbereitung und vor allem mit Informationen über die Strecke.

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