H3O – Herz, Hand, Hirn und Ohr – ist ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer neuen Versorgungsform für Menschen mit Demenz und gleichzeitiger Hörminderung. Zahlreiche Studien zeigen, dass unbehandelte oder unzureichend behandelte Hörstörungen kognitive Beeinträchtigungen verstärken können. Gleichzeitig bleibt die Hörversorgung im Alltag vieler Betroffener hinter ihren Möglichkeiten zurück – etwa durch unzureichende Nutzung von Hörgeräten oder fehlende Begleitung.
H3O greift diese Versorgungslücke auf und verbindet strukturierte Hörtherapie mit kognitiver Stimulation zu einem integrierten, systematisch aufgebauten Versorgungskonzept. Ziel ist es, zentrale Hör- und Verarbeitungsprozesse zu aktivieren, kommunikative Kompetenzen zu stärken und kognitive Ressourcen möglichst lange zu stabilisieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der strukturierten Einbindung von Hörakustiker*innen im Rahmen der Nachsorge nach Hörgeräteanpassungen, um insbesondere die besonders vulnerable Zielgruppe von Patient*innen mit Demenz und Hörminderung gezielt zu unterstützen und die nachhaltige Nutzung der Hörversorgung zu verbessern.
H3O soll Angebote der Regelversorgung ergänzen
Die neue Versorgungsform soll bestehende Angebote der Regelversorgung nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen und besser miteinander verzahnen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung klar definierter Versorgungsabläufe, Kooperationsstrukturen und Evaluationskonzepte. Die Intervention ist so konzipiert, dass sie praktikabel in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden kann. Durch die verbesserte Hör- und Kommunikationsfähigkeit wird ein stabilerer Zugang zu therapeutischen Maßnahmen – etwa ergotherapeutischen Behandlungen – ermöglicht und deren Wirksamkeit im Versorgungsalltag unterstützt.
Ein besonderer Fokus liegt auf der wissenschaftlichen Evaluation. Es wird untersucht, inwieweit die kombinierte audio-kognitive Intervention patientenrelevante Endpunkte die kognitive Funktionen verbessert. Darüber hinaus werden gesundheitsökonomische Aspekte und Implementierungsbedingungen analysiert, um das Potenzial für eine dauerhafte Überführung in die gesetzliche Krankenversicherung zu prüfen.
Wertvoller Beitrag zur Weiterentwicklung der Versorgung
Das Projekt wird aus Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert. In der aktuellen Konzeptentwicklungsphase werden die strukturellen, rechtlichen und wissenschaftlichen Grundlagen für einen anschließenden Vollantrag und eine groß angelegte Umsetzung vorbereitet. H3O leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Versorgung von Menschen mit Demenz, indem es Hörtherapie und kognitive Stimulation nicht getrennt, sondern als zusammenhängendes Versorgungskonzept denkt.