Wie lässt sich ein Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren wirtschaftlich, effizient und möglichst regenerativ mit Wärme versorgen? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich ein gemeinsames Projekt des Bauvereins Hamm und der Werkbank Sektorenkopplung des Instituts für Sektorenkopplung in der Energiewende (IfSK) der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL). Nach Abschluss einer umfangreichen Messkampagne beginnt nun die nächste Projektphase: die fachliche Bewertung konkreter Sanierungs- und Versorgungskonzepte.
Im Rahmen eines gemeinsamen Austauschs am Dienstag, 14. Juli 2026 diskutierten die Projektbeteiligten erste Lösungsansätze für das Wohngebäude mit 30 Wohneinheiten aus dem Baujahr 1965 im Hammer Stadtteil Pelkum. "Ziel ist es, ein zukunftsfähiges Energiekonzept zu entwickeln, das sowohl technische als auch wirtschaftliche und ökologische Aspekte berücksichtigt", sagt Felix Staubach, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Werkbank Sektorenkopplung.
Messkampagne liefert belastbare Ergebnisse
Die Grundlage hierfür bilden die Ergebnisse der kürzlich abgeschlossenen Messkampagne. Die erhobenen Daten liefern erstmals belastbare Erkenntnisse über das reale Betriebsverhalten des Gebäudes und ermöglichen eine fundierte Bewertung verschiedener Sanierungsoptionen. Die weiteren Untersuchungen erfolgen im Rahmen der Werkbank Sektorenkopplung sowie einer Bachelorarbeit von HSHL-Student Andrej Adamajtis.
"Im Mittelpunkt stehen dabei zentrale Fragestellungen der zukünftigen Wärmeversorgung: Welche Rolle kann beispielsweise eine Wärmepumpe in einem Bestandsgebäude dieser Generation übernehmen? Ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe die wirtschaftlichste Lösung oder bieten Sole-Wärmepumpen langfristige Vorteile?", erklärt Staubach. Außerdem gelte es, herauszufinden, ob Photovoltaik, Solarthermie oder ein Erdkollektor das Gesamtsystem sinnvoll ergänzen und welchen Beitrag künftig Energy Sharing leisten kann, um die Energieversorgung wirtschaftlicher und nachhaltiger zu gestalten, also die gemeinschaftliche Nutzung von erneuerbaren Energien von mehreren Verbraucher*innen.
Reale Bedingungen statt Modellannahmen
Anstatt auf standardisierte Modellannahmen zu setzen, verfolgt das Projekt einen praxisnahen Ansatz: Grundlage der Entscheidungsfindung sind reale Messwerte, systemische Analysen und die tatsächlichen Gegebenheiten des Gebäudes. Dadurch sollen belastbare Aussagen über die technische Machbarkeit, die Wirtschaftlichkeit und den ökologischen Nutzen verschiedener Versorgungskonzepte getroffen werden.
Mit dem Start der fachlichen Bewertung wird ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht. Die Projektbeteiligten wollen gemeinsam ein Sanierungskonzept entwickeln, das beispielhaft aufzeigt, wie auch Wohngebäude aus den 1960er-Jahren einen Beitrag zur Wärmewende leisten können.