In seiner Dissertation untersucht Justus Blaschke den Einfluss psychologischer Faktoren, zum Beispiel den Zugang zu Informationen und das Vertrauen in das eigene Wissen, auf finanzielle Entscheidungen. Aus den Ergebnissen lassen sich wichtige Schlussfolgerungen sowohl für die Finanzberatung als auch für Bildungsprogramme ableiten. Justus Blaschke hat erfolgreich seine kooperative Promotion an der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) und der Universität Kassel abgeschlossen. Dabei wurde er von HSHL-Professor Marco Pleßner betreut.
Unter dem Titel "Information Asymmetries, Literacy and Confidence in Financial Decision-Making" verbindet Justus Blaschke klassische Theorien der Verhaltensökonomie mit empirischen Analysen zu Informationsasymmetrien, Finanzbildung und Selbstvertrauen. Damit leistet er einen Beitrag zum besseren Verständnis, wie diese Faktoren Finanzentscheidungen formen. Zum einen wird untersucht, wie unterschiedlich gut Menschen über Finanzentscheidungen informiert sind und wie sie mit diesen Informationen umgehen.
Das Potenzial digitaler Beratungsangebote
Ein Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Institutionen, die Finanzentscheidungen beeinflussen. Dazu gehören Ratingagenturen, das sind private, gewinnorientierte Unternehmen, die die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Staaten und Finanzinstrumenten bewerten, sowie sogenannte Robo-Advisors, also digitale Programme, die mit Hilfe von Algorithmen Anlageempfehlungen geben. Blaschkes Arbeit zeigt: Ratingagenturen können in Krisenzeiten Unsicherheit verstärken, weil viele Menschen ihren Urteilen blind vertrauen. Digitale Beratungsangebote hingegen haben das Potenzial, Informationen verständlicher und transparenter zu machen, wenn sie richtig eingesetzt werden.
Des Weiteren untersucht die Dissertation, wie finanzielle Bildung, Geschlecht und Selbstvertrauen junger Menschen das Finanzverhalten beeinflussen. Es zeigt sich, dass insbesondere die eigene Einschätzung des Finanzwissens von Bedeutung ist. Wer sich überschätzt, geht häufiger unnötige Risiken ein. Wer sich unterschätzt, nutzt Chancen oft nicht. In seiner Untersuchung zeigt Blaschke, dass junge Männer ihre Finanzkenntnisse häufig überschätzen, während junge Frauen sich eher zu wenig zutrauen, selbst wenn sie ähnlich gut informiert sind.
Finanzmärkte brauchen mehr Transparenz
Aus der Arbeit von Justus Blaschke ergeben sich klare Empfehlungen: Finanzmärkte brauchen mehr Transparenz und nachvollziehbare Bewertungen. Digitale Finanzberatung sollte stärker auf die individuellen Bedürfnisse und Denkweisen der Nutzer*innen eingehen. Für die Bildungsarbeit lässt sich implizieren, dass Finanzwissen immer verbunden mit Selbstvertrauensbildung und Reflexionskompetenzaufbau vermittelt werden sollte, um das eigene Können realistisch einzuschätzen und chancengerechtere Entscheidungen zu fördern.
Prof. Dr. Marco Pleßner, Lehrgebiet "Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Finanzierung und Banken" von der HSHL resümiert: "In seiner kumulativen Dissertation untersucht Herr Blaschke zentrale Fragen der finanziellen Entscheidungsfindung und der finanziellen Bildung. Die überwiegend in international anerkannten Fachzeitschriften veröffentlichten Beiträge entstanden sowohl in enger und erfolgreicher Zusammenarbeit mit Koautoren als auch in eigenständiger Forschungsarbeit und belegen eindrucksvoll seine wissenschaftliche Reife. Die Arbeit dokumentiert eine inhaltlich wie persönlich überzeugende wissenschaftliche Leistung."Gemeinsam mit Erstprüfer Prof. Dr. Björn Frank von der Universität Kassel hat Prof. Pleßner die Arbeit von Justus Blaschke als Zweitprüfer betreut. Die Dissertation ist über das Open-Access-Repository der Universität Kassel "KOBRA" verfügbar. Die Hochschule Hamm-Lippstadt beglückwünscht Justus Blaschke zu dieser herausragenden akademischen Leistung.
Zur Person
Justus Blaschke hat "Betriebswirtschaftslehre" im Bachelor an der Hochschule Fulda und im Master an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster studiert. Sein Promotionsstudium hat er am Institut für Mikroökonomik der Universität Kassel absolviert. Neben anderen Lehraufträgen war er an der HSHL als Dozent für die Vorlesungen "Internationale Rechnungslegung" und "Big Data und Data Science" im Bachelorstudiengang "Betriebswirtschaftslehre" tätig.
Promovieren an der Hochschule Hamm-Lippstadt
Neben der kooperativen Promotion in Zusammenarbeit mit einer Universität gibt es über das Promotionskolleg NRW (PK.NRW) auch die Möglichkeit, direkt an der HSHL zu promovieren. Bei der Promotion am PK.NRW erfolgt die Betreuung durch ein Team von Professor*innen des Promotionskollegs. 15 HSHL-Professor*innen sind hier aktuell in verschiedenen Fachgruppen aktiv. Die Betreuung bei einer kooperativen Promotion hingegen wird gemeinsam mit Professor*innen der in Zusammenarbeit stehenden Universität übernommen.