Hannah Schanzmann entwickelte mit ihrer Dissertation, die sie am 28. Juli 2026 erfolgreich verteidigt hat, eine innovative Analysemethode für die nicht-invasive Diagnostik bakterieller Atemwegsinfektionen. Die Dissertation ist im Rahmen einer kooperativen Promotion an der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) entstanden und liefert einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der medizinischen Diagnostik.
Ziel der Forschungsarbeit war es, die Grundlagen für eine schnelle, empfindliche und nicht-invasive Diagnostik insbesondere nosokomialer Atemwegsinfektionen zu schaffen. Als nosokomial werden Infektionen bezeichnet, die im Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt entstehen. Mit dem von Hannah Schanzmann entwickelten neuartigen Analyseverfahren können bakterielle Atemwegsinfektionen anhand flüchtiger organischer Verbindungen (Volatile Organic Compounds, VOCs) in der Ausatemluft identifiziert werden. Diese Stoffe entstehen als Stoffwechselprodukte von Bakterien und können als Hinweise auf eine Infektion dienen.
Innovative Methodik für die Atemgasanalytik
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit standen die Konzeption und der Aufbau des analytischen Messsystems und der geeigneten Probenahmestrategie. Durch die Kombination mehrerer Messmethoden (dazu gehören Thermodesorption, Gaschromatographie, Massenspektrometrie und Ionenmobilitätsspektrometrie) können kleinste Mengen von VOCs in der Ausatemluft untersucht werden. Die Biomarker können so nicht nur besonders empfindlich nachgewiesen, sondern auch eindeutig den jeweiligen Krankheitserregern zugeordnet werden. Die Forschungsarbeiten umfassten die methodische Entwicklung des Systems, dessen analytische Validierung sowie die erfolgreiche Anwendung auf klinisch relevante bakterielle Krankheitserreger.
Die Arbeiten entstanden im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekts "InosIn – Schnelle, nicht-invasive Identifikation nosokomialer Infektionen". Ziel des Projekts war die Entwicklung innovativer Analyseverfahren, mit denen Krankheitserreger anhand charakteristischer Stoffwechselprodukte in der Ausatemluft erkannt werden können. Langfristig sollen Infektionen schneller diagnostiziert und Patient*innen gezielter behandelt werden.
Vielversprechende Grundlage für weitere Forschung
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Arbeit wurden bereits in drei renommierten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Darüber hinaus präsentierte Hannah Schanzmann ihre Forschung auf zahlreichen nationalen und internationalen Fachkongressen und trug damit zum wissenschaftlichen Austausch im Bereich der Atemgasanalytik und Ionenmobilitätsspektrometrie bei.
Die entwickelte Methodik bildet die wissenschaftliche Grundlage für das aktuelle Forschungsprojekt "ViBa-IMS", in dem Analyseverfahren zur Unterscheidung viraler und bakterieller Atemwegsinfektionen weiterentwickelt werden. Gleichzeitig eröffnet sie neue Möglichkeiten für zukünftige Forschungsarbeiten im Bereich der VOC-Analytik im Spurenbereich und liefert damit einen wichtigen Beitrag für die analytische Chemie und die medizinische Diagnostik.
Prof. Dr. Stefanie Sielemann, Betreuerin der Dissertation an der HSHL aus dem Lehrgebiet "Instrumentelle und analytische Sensortechnik", ordnet die Ergebnisse der Forschungsarbeit ein: "Frau Schanzmann hat mit ihrer Dissertation nicht nur eine innovative analytische Methodik entwickelt, sondern eine Grundlage geschaffen, auf der wir künftig zahlreiche weitere Fragestellungen der VOC-Analytik im Spurenbereich bearbeiten können. Dass die Ergebnisse bereits in ein neues BMBF-Forschungsprojekt eingeflossen sind, unterstreicht die wissenschaftliche Qualität und Nachhaltigkeit der Arbeiten."
Betreut wurde die kooperative Promotion neben Prof. Dr. Sielemann von PD Dr. Ursula Telgheder von der UDE. Die Dissertation wird über die Bibliothek der UDE zu einem späteren Zeitpunkt publiziert. Die HSHL gratuliert Hannah Schanzmann zu diesem akademischen Erfolg mit Auszeichnung und dem Abschluss ihrer Promotion.
Zur Person
Hannah Schanzmann studierte an der HSHL den Bachelorstudiengang "Umweltmonitoring und Forensische Chemie". Anschließend absolvierte sie dort ebenfalls den Masterstudiengang "Umweltmonitoring und Gefahrstoffanalytik", den sie als Jahrgangsbeste mit einer Masterarbeit beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden abschloss. Seit Beginn ihrer Promotion war Hannah Schanzmann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HSHL tätig.
Promovieren an der Hochschule Hamm-Lippstadt
Neben der kooperativen Promotion in Zusammenarbeit mit einer Universität gibt es über das Promotionskolleg NRW (PK NRW) auch die Möglichkeit, direkt an der HSHL zu promovieren. Bei der Promotion am PK NRW erfolgt die Betreuung durch ein Team von Professor*innen des Promotionskollegs. 15 HSHL-Professor*innen sind hier aktuell in verschiedenen Fachgruppen aktiv. Die Betreuung bei einer kooperativen Promotion hingegen wird gemeinsam mit Professor*innen der in Zusammenarbeit stehenden Universität übernommen.